Über 35 Jahre TAXI Trauden
Interview mit Rolf Trauden
Eine Geburt im Taxi und die "Bilderbuchkombination"
Was kostet die Welt, wenn man die richtige Idee hat ?
Jungunternehmer Rolf Trauden im Alter von 22 Jahren
Warum haben Sie eigentlich vor 30 Jahren in Hillesheim ein Taxi-Unternehmen eröffnet?
Rolf Trauden: Weil in Hillesheim zu der Zeit kein Taxiunternehmen ansässig war und mir die Idee einfach auch von außen nahe gelegt wurde. Dazu kommt, ich hatte immer Spaß am Fahren.
Das erste Fahrzeug von Taxi-Trauden ...
Rolf Trauden: ... war ein FORD Consul, Baujahr 72.
In welchem Umkreis sind Sie damals gefahren ?
Rolf Trauden: Nicht nur in und um Hillesheim. Durch die Krankenfahrten ging es schon sehr schnell nach Trier, Bonn und Köln. Das war ja ein strukturschwaches Gebiet hier, es gab nur ganz wenige Fachkliniken. Und deshalb haben sich die Fahrten sehr schnell vermehrt.
1976 wurde das erste Auto gekauft, drei Monate später schon das zweite, und im Juli 1977 das dritte. Innerhalb von einem Jahr wurden drei Fahrzeuge angeschafft.
Es war also von Anfang an erkennbar: da gibt es eine Nachfrage?
Rolf Trauden: Ja, die Marktlücke war da. Ich erinnere mich, von Ende der 60er Jahre bis wir anfingen,1976, gab es überhaupt kein Taxi in Hillesheim. Davor gab es noch die Firma Schlosser, die hatten das dann aus Altersgründen aufgegeben, und seitdem hatte sich keiner mehr bei der Behörde beworben.
Ich war seit 1976 das erste Taxiunternehmen wieder hier in Hillesheim. Mietwagen allerdings gab es hier schon immer.
Das erste Taxi: ein Ford Consul, Baujahr 1972
Wenn man auf dem Land Taxifahrer ist, was ist der größte Unterschied zum Taxifahren in der Stadt?
Rolf Trauden: Der engere Kontakt zu den Fahrgästen. Man kennt sie fast alle. In den ersten Jahren waren es überwiegend kranke Leute, die man gefahren hat. Mit der Zeit wurde die Fahrgäste jünger. Die Polizei hat mehr kontrolliert, und der Führerschein ist ein wichtiger Grund geworden auf das Taxi umzusteigen - was man früher fast nie gemacht hat.
Die Art der Fahrten, was hat sich da in den vergangenen Jahrzehnten aus Ihrer Erfahrung am meisten geändert?
Rolf Trauden: Bis zur Gesundheitsreform war der größte Teil der Fahrten Krankenfahrten. Aber wir haben schon in den ersten Jahren auch Botenfahrten für zum Beispiel die Industrie, die Post, Paketdienste oder medizinische Labore (Blutuntersuchungen) gemacht. Die haben sich mittlerweile zur wichtigsten Einnahmequelle entwickelt. Zum Beispiel für die Autoindustrie, Kurierdienste, Erledigungsfahrten.
Der Motorisierungsrad hat auch in der Eifel zugenommen, also hat sich das Taxi angepasst?
Rolf Trauden: Ja, wir haben uns andere Marktlücken gesucht. Für die Industrie ist es für eine Botensendung heute billiger ein Taxi zu bestellen als selbst einen Fahrer mit einem Firmenfahrzeug auf den Weg zu schicken.
Zwischendurch auch einmal Volvo: das schwedische Fahrzeug
wurde zu Beginn der 80er jahre angeschafft,
Auf dem Land Taxi fahren heißt ja mehr noch als in der Stadt bei Wind und Wetter unterwegs zu sein. Können Sie sich an Fahrten erinnern, an deren Ende Sie froh waren wieder zuhause zu sein?
Rolf Trauden: Früher kam das öfter vor. Wir sind ja 20 Jahre Dialysepatienten nach Trier gefahren, davon zehn Jahre nur nachts. Da war es im Winter manchmal schon hart, wenn man von Trier überhaupt bis nach Bitburg kam. Und dann von Bitburg nach Hillesheim hoch. Zu der Zeit lag auch noch 40, 50 Zentimeter Schnee. Da konnte man in Bitburg schon Schneeketten montieren und ist dann so bis hierhin durchgekommen.
Bei Sturm haben wir es natürlich ein paar Mal erlebt, das Bäume auf der Straße lagen, wenn ich Anfang 1992 an den Sturm "Wibke" denke. Naja, man kann sagen, bisher sind wir immer gut durchgekommen.
Was war die lustigste oder schönste Geschichte, die Sie in den 30 Jahren erlebt haben. Fällt Ihnen vielleicht eine ein?
Rolf Trauden: Ja, Geburt im Taxi! Wenn ich an die Frau denke, die zum Entbinden nach Adenau musste, das war 1980. Ein Anruf von Hillesheim. Eine junge Türkin, hoch schwanger. Sehr viele Kurven auf der Strecke. Holprige Wege. Bis 300 Meter vor das Krankenhaus bin ich damals noch gekommen. Dann ging es nicht mehr. Dann setzten die Wehen ein. Ich habe das Auto stehen lassen, bin gelaufen, habe den Arzt geholt, der ist dann voraus, und als ich wieder zurück kam, da hatte die Frau im Auto entbunden. Mutter und Kind waren okay.
Meine Frau hat einmal eine tolle Geschichte mit einem Autohändler erlebt. Damals gab es noch kein Handy, der Autofunkempfang auf der Strecke war schwierig. Den hat sie von Hillesheim nach Gerolstein zu einem anderen Autohändler gefahren. Als der einstieg hatte er einen Metallkoffer dabei, den er hinter den Beifahrersitz gestellt hat. Sie fährt den nach Gerolstein, der steigt aus, und vergisst den Koffer.
Sie wieder zurück nach Hillesheim. In der Zwischenzeit hatte mich der Fahrgast schon per Telefon erreicht: der Koffer ist noch im Auto ! Sie soll sofort umkehren nach Gerolstein. Sie wieder zurück zu dem Händler, fährt auf den Hof. Da holt der den Koffer aus dem Taxi, stellt ihn auf die Motorhaube, klappt ihn auf - da war der voller Geldscheine. 40 000 Mark waren da drin. Und weg war der Mann. Mein Gott...
Taxi Trauden im Schnee: Aufnahme von 2002,
der Mercedes in der Nähe von Steffeln.
Wissen Sie, wenn man jemanden 25 oder 30 Mal zum Beispiel zu einer wichtigen medizinischen Untersuchung oder Bestrahlung hin und herfährt - das Taxi ist auch ein Beichtstuhl.
Wir haben auch traurige Sachen erlebt, lassen wir das nicht vergessen. Wir haben schon Leute sterbenskrank mit dem Taxi ins Krankenhaus gefahren. Zurück gekommen sind sie mit dem Bestattungsunternehmen. Auch das passiert natürlich.
Wie wird sich das Taxigeschäft aus Ihrer Sicht weiter entwickeln?
Rolf Trauden: Das Taxi wird es immer geben, das glaube ich schon. Der Bedarf ist immer da. Dazu ist mittlerweile das Jugendtaxi gekommen. Es läuft jetzt seit Anfang 2004. Man kann nach meinem Wissen behaupten: seitdem ist hier im Landkreis kein einziger ernsthafter großer Unfall unter Beteiligung von Jugendlichen mehr passiert! Das kann auch ein Zufall sein, Fakt ist aber, in dieser Zeit sind zwischen 16- und 18 000 Jugendliche mit dem Jugendtaxi transportiert worden. Die sind halt im Landkreis Daun von der Straße weg. Die sitzen im sicheren Taxi.
Wir waren beim Jugendtaxi im Landkreis Daun von Anfang an dabei. Wir haben das mit der Kreisverwaltung und acht Unternehmern im Landkreis Daun aufgebaut. Die Kreisverwaltung hat damals jeden Unternehmer angeschrieben, doch es waren nur acht bereit, mitzumachen.
Das Jugendtaxi ist ein Angebot, das sich auf jeden Fall lohnt. Für den Unternehmer wie für den Kunden, die Jugendlichen. Man kann guten Gewissens sagen: es wird sehr gut angenommen.
Im Taxigewerbe ist es nicht üblich ein Jubiläum groß zu feiern. Dennoch: was wünschen Sie sich für die kommenden 30 Jahre?
Rolf Trauden: Dass der Betrieb weiter bestehen bleibt! Und Glück auf den Straßen!
Im Jubiläumsjahr schaffen Sie sich ein neues Fahrzeug an ?
Rolf Trauden: Ja, ein Mercedes Benz, E 211 T-Modell. Auf Mercedes Benz fahren wir nun schon seit 1980. Zum Glück werden die mittlerweile auch schneller ausgeliefert als früher. Wir haben mal dreieinhalb Jahre auf einen gewartet, 1976 war die Anfrage, im zweiten Quartal 1980, ich glaube im Mai, wurde das Auto damals ausgeliefert. Heute geht es innerhalb von sechs bis acht Wochen.
Der Neue, das Jubiläumsauto, hat die neueste Ausstattung mit einem Werbezug der Kampagne "Fair WM" zur Fußballweltmeisterschaft auf den Seiten. DaimlerChrysler bietet da beim Kauf eines neuen Taxis für die WM-Wochen Slogans in verschiedenen Sprachen an. Wir haben uns für das spanische "Jugada de pasos rapidos" entschieden, das heißt "Bilderbuchkombination".
Das neueste Fahrzeug in der Trauden-Flotte, ein Mercedes Baujahr 2011